Klangherbst
KLANGherbst - Gedenkfeier zu den Novemberpogromen

“Lied der Welt”
Der 9. November 1938 markiert einen der dunkelsten Tage österreichischer Geschichte.
Zum 88. Jahrestag der „Reichskristallnacht“ wird der jüdischen Opfer gedacht.
Die Veranstaltung ist dem würdigen Gedenken an die Opfer von Krieg, Gewalt und nationalsozialistischer
Verfolgung gewidmet und ist zugleich ein Aufruf zu Frieden, Versöhnung
und europäischer Einigkeit. An dem Konzert wirken polnische und österreichische Künstler
mit, die mit Wien, Warschau und Krakau verbunden sind.
Das Konzert entstand in Zusammenarbeit mit dem österreichischen Festival verfemter Musik
„FREMDE ERDE“, das dem Schaffen von Komponistinnen und Komponisten gewidmet
ist, die im 20. Jahrhundert von den Nationalsozialisten verfolgt, ausgegrenzt, zur Emigration
gezwungen oder ermordet wurden.
* Zum Titel des Gedenkkonzertes: Egon Wellesz (1885–1974), ein Schüler Arnold Schönbergs,
war ein bedeutender österreichischer Komponist und Musikwissenschaftler, der
später nach England emigrierte. Sein „Lied der Welt“ op. 54 ist ein Werk für Sopran und
Orchester, das in den Jahren 1936 bis 1938 entstand und auf Texten von Hugo von Hofmannsthal
basiert. Das Werk wurde in der späten Phase seines Wirkens in Wien kurz
vor seiner Flucht ins Exil komponiert. Es ist Teil einer Reihe von Werken, die die existenzielle
Notlage des Komponisten in der Zeit des aufkommenden Nationalsozialismus widerspiegeln.
Programm:
Begrüßung
Vertreter:in des Landes Wien / Burgenland / Niederösterreich
Vorträge
Historiker:in – (Wien: Dr. Philipp Rohrbacher, Vienna Wiesenthal Institute for Holocaust
Studies (VWI) / Niederösterreich: Prof. Dr. Robert Streibel / Burgenland: offen)
Dr. Gerold Gruber, Exilarte Zentrum der mdw – Universität für Musik und darstellende
Kunst Wien
Musikalisches Rahmenprogramm
VIVA LA CLASSICA!
Mit Werken von Egon Wellesz, Vally Weigl, Aleksander Tansman, Józef Koffler,
Mieczyslaw Weinberg u.a.
Mitwirkende:
Julitta Dominika Walder – Sopran
Mateusz Kasprzak-Łabudziński – Violine
Dominika Peszko – Klavier
Piotr Lato – Klarinette
Elizaveta Kapustina – Videoinstallation
Wir betrachten das Schicksal verfolgter Komponist:innen nicht als eine einheitliche Leidensgeschichte,
sondern als ein Mosaik aus völlig unterschiedlichen Lebensentwürfen.
Was diese Persönlichkeiten – Józef Koffler, Alexandre Tansman, Vally Weigl, Egon Wellesz,
Mieczysław Weinberg und viele anderen– jenseits ihrer Vertreibung verbindet, ist
die Musik als Akt der Selbstbehauptung.
Musikalisch begegnen wir an diesem Abend einer faszinierenden Spannung:
Wir hören die Strenge und Brillanz von Koffler, dessen Werk uns heute wie ein Fragment
einer zerstörten Welt entgegentritt. Wir erleben die weltläufige Eleganz Tansmans, der
die Einflüsse Hollywoods und Strawinskys in seine europäische DNA integrierte. Wir begegnen
der empathischen Kraft von Vally Weigl, die Musik nicht nur als Struktur, sondern
als Heilmittel für eine verwundete Gesellschaft verstand. Und wir spüren die tiefe
Verwurzelung in der Tradition bei Wellesz, der in der Fremde die Identität des alten Europas
bewahrte.
Trotz der geografischen Distanzen zwischen dem Ghetto von Wieliczka, den Filmstudios
von Hollywood, den Therapieräumen New Yorks und den Gelehrtenstuben Oxfords, teilen
diese Werke eine gemeinsame Herkunft: Sie entspringen einer Kultur des Aufbruchs,
die durch Hass unterbrochen, aber in ihrer künstlerischen Substanz nicht vernichtet wurde.
Das Konzert lädt dazu ein, die Musik nicht nur als historisches Dokument zu hören, sondern
als lebendiges Zeugnis für die Unbeugsamkeit des kreativen Geistes.
Das Publikum wird Kompositionen von Künstler:innen hören, die mit der mitteleuropäischen
Kultur verbunden sind und deren Musik eine Brücke zwischen der romantischen
Tradition und der Moderne schlägt.
Verbindung von Wissenschaft und Kunst
Zum Gedenken an die Opfer von Gewalt und Terror und als Mahnung gegen das Vergessen
werden wissenschaftliche Vorträge von Dr. Robert Streibel (Niederösterreich) bzw. Dr.
Philipp Rohrbacher (Wien) und Dr. Gerold Gruber gehalten. Im musikalischen Rahmenprogramm
lassen wir die Stimmen der verfemten Komponist:innen zu Wort kommen. Dafür
wurde an die Künstlerin Elizaveta Kapustina eine Videoinstallation in Auftrag gegeben, die
die Personen – die sich hinter den Kompositionen verbergen – zum Vorschein bringen
wird.
»Es waren dunkle Zeiten« von Prof. Dr. Robert Streibel (Auszug aus dem Vortrag)
Die dunklen Zeiten sind gefährlich. Auch heute noch. Wie oft werden sie zitiert in Reden
und Aufsätzen, es hat etwas Märchenhaftes und Gruseliges. Wer fürchtet sich nicht in der
Dunkelheit. Wer nicht Nationalsozialismus sagen will, der spricht von den dunklen Zeiten.
Die Zeiten waren mörderisch, sie waren grausam, sie waren fürchterlich, das alles ist mehr
als dunkel. Die Dunkelheit hat auch ein gutes, in der Dunkelheit sieht man weder Opfer
noch Täter. Wird vielleicht deshalb so oft über die dunklen Zeiten gesprochen, wenn der
größte Massenmord gemeint ist? Eines muss immer klar sein. Der Nationalsozialismus
war sicherlich kein Stromausfall.
Antisemitismus in Österreich
Antisemitismus hat eine lange Geschichte. Das macht es auch so schwer, ihn zu bekämpfen.
Es ist kein Phänomen der politischen Randgruppen, er kommt aus der Mitte der Gesellschaft.
Es ist wichtig an eine der dunkelsten Stunden der österreichischen Geschichte zu erinnern,
gleichzeitig soll unsere Gedenkfeier aber auch eine Warnung sein, eine Wiederholung
der damaligen Untaten nicht zuzulassen. Antisemitische Einstellungen gilt es zu bekämpfen
und so die Demokratie zu stärken.
Eine neue Generation übernimmt Verantwortung
Keine Gemeinschaft, keine Gesellschaft, auch kein Staat kann ohne Gedächtnis und ohne
Erinnerung leben. Ohne Erinnerung zu leben bedeutet, ohne Identität und damit ohne Orientierung
zu leben.
Jede Generation muss sich ihre Beziehung zur Geschichte erarbeiten. Erinnerung und Gedächtnis
müssen weitergegeben werden. Um der Opfer willen, aber auch um unserer
selbst willen. Deshalb richtet sich unser Gedenkprojekt vor allem an Jugendliche und
junge Erwachsene. Eine Generation, die das sogenannte „Dritte Reich“ und den Zweiten
Weltkrieg nicht mehr erlebt haben, die teilweise auch nicht mehr mit ZeitzeugInnen sprechen
konnten, aber in die Verantwortung des Gedenkens einrücken werden.
TERMIN
Freitag, 06. November 2026 | 19:00 Uhr | Engelsaal, Burg Schlaining
Anmeldungen unter:
KLANGfestival Schlaining
Tel.: 03355/2306-2211
E-Mail: klangfestival@kultur-burgenland.at
Termin
Freitag, 06.11.2026
19:00
– 21:00
Uhr
Ort
Klangherbst |
Friedensburg Schlaining
Rochusplatz 1
7461 Stadtschlaining
Veranstalter:
Kultur-Betriebe Burgenland GmbHKBB- Kultur Betriebe Burgenland GmbH
Franz Schubert- Platz 6
7000 Eisenstadt
+43 2682 7193031
office@kultur-burgenland.at
http://www.kultur-burgenland.at
